Datum des Events: 24.01.2013 Uhr
von Sascha Rettig
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Gefeierter Medienheld: Pilot Whip Whitaker (Denzel Washington) nach der Notlandung. − F.: Studiocanal/tsch
Gefeierter Medienheld: Pilot Whip Whitaker (Denzel Washington) nach der Notlandung. − F.: Studiocanal/tsch
Fliegen ist zwar sicherer als Autofahren – und dennoch kann das Schlimmste eintreten, der blanke Horror passieren, wenn ein Flugzeug in der Luft nicht nur ein paar Turbulenzen durchjettet, sondern in eine ernste Notsituation gerät. Ein Triebwerk fällt aus. Das Flugzeug verliert rasant an Höhe. Alles, was in solch einem Moment bleibt, ist die Hoffnung auf eine sichere Notlandung wie vor einiger Zeit auf dem Hudson River in New York. Auch Robert Zemeckis' Drama "Flight" beginnt mit so einem Schreckenszenario.
Technisch meisterlich, beklemmend unmittelbar und hochspannend zugespitzt inszeniert ist der Beinah-Absturz einer Passagiermaschine, die nach einem Triebwerksbrand nur durch eine riskante Aktion – inklusive eines Kopf-über-Flugs der Maschine – und die Erfahrung des nervenstarken Piloten so zu Boden gebracht wird, dass die meisten Menschen an Bord überleben. Denzel Washington verkörpert dabei den Piloten Whip Whitaker, der dieses waghalsige Unterfangen mit Bravour meistert und den Verlust vieler Menschenleben verhindern kann.
Zum Zeitpunkt der Landung weiß allerdings niemand in der Öffentlichkeit über den Zustand des Piloten Bescheid. Der Mann, der als Retter gefeiert wird, hat während des Flugs nicht nur jede Menge Rest-Alkohol im Blut, sondern in den Stunden vor dem Abflug die eine oder andere Nase Koks genommen.
"Flight" bietet auch Denzel Washington, der sein Talent in den vergangenen Jahren in viel zu vielen Actionfilmen vergeudet hat, nach langer Zeit mal wieder eine angemessene Herausforderung und brachte ihm eine Oscar-Nominierung als alkoholkrankem Piloten ein, dessen Situation einige heikle Fragen aufwirft: Darf ein drogenkranker Alkoholiker überhaupt als Held gefeiert werden?Schmälert der Drogenkonsum seine geniale Leistung, der viele Menschen ihr Leben verdanken? Muss er für seine Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen werden? Und für welchen Umgang mit dieser Angelegenheit entscheidet sich Whitaker selbst – für die Lüge oder die Wahrheit, die für ihn Gefängnis bedeutet?
Zemeckis traut sich zwar nicht, Überlegungen anzustellen, ob Whittaker gerade wegen des Kokainschubs zu solchen Höchstleistungen fähig war. Das moralische Dilemma, das in dieser Situation zunächst entsteht, ist dennoch komplex und spannend. Allerdings entwickelt sich "Flight" teilweise etwas schleppend zu einer dieser hinlänglich bekannten Geschichten des Suchtkranken, der über mehrere Rückfälle die Läuterung des im Kern guten Menschen und seinen Frieden mit sich und seinen Lieben findet. So stark der Film auch gespielt ist und so glaubwürdig sich das Drama vor allem im Hinblick auf die vielschichtigen Fragen zu Beginn entwickelt: Am Eindruck, dass es sich diese doppelte Absturz- und Rettungsgeschichte etwas zu einfach macht, ändert das nichts.